Wie Verstappen sich die Pole sicherte

Max Verstappen war wieder dabei. Er hielt an seinem einfachen Credo fest: Gib dein Bestes und akzeptiere, was du nicht beeinflussen kannst. Das hat ihm heute in Abu Dhabi geholfen.

Nach einem schwierigen Start in FP1 kämpfte sich Red Bull zurück. Am Samstag wechselten sie zu einem kleineren Heckflügel. Die Balance des Autos wurde neu eingestellt. Das gab Verstappen die Möglichkeit, im richtigen Moment nahezu perfekte Runden zu fahren.

Beide Q3-Runden von Verstappen hätten die Pole Position bedeutet. Die zweite Runde war sogar noch schneller und profitierte nicht vom Windschatten seines Teamkollegen Yuki Tsunoda im vorherigen Lauf. Dennoch war Verstappen 0,2 Sekunden schneller als die McLarens. Lando Norris wurde Zweiter, Oscar Piastri Dritter.

Strategie und Reifenwahl

Die Teams standen vor einer schwierigen Reifenwahl. Die Strecke gewann schnell an Grip, als die Temperatur sank. Niemand wollte das Risiko eingehen, zwei Sätze weicher Reifen frühzeitig zu verwenden. Daher blieben vielen Fahrern genau zwei Sätze für Q2 und Q3 übrig.

Red Bull hat das clever gelöst. Verstappen fuhr in Q2 nur einen Versuch und tat dies auf gebrauchten Reifen. Diese eine schnelle Runde war entscheidend. Er war schneller als die Zeiten von Norris und Piastri und lag in Q2 auf dem zweiten Platz hinter George Russell auf neuen Reifen.

McLaren ging in Q2 erneut mit neuen Reifen auf die Strecke, musste den Lauf jedoch nicht beenden, da sie bereits sicher qualifiziert waren. Dadurch mussten Norris und Piastri später in Q3 einen ihrer Läufe mit teilweise gebrauchten Reifen absolvieren. Verstappen konnte zweimal mit frischen Reifen fahren. Das gab ihm zusätzliches Selbstvertrauen für Q3.

Flügel, Geschwindigkeit und Kurven

Der kleinere Heckflügel verschaffte Verstappen höhere Spitzengeschwindigkeiten: etwa 5 km/h mehr auf der hinteren Geraden und 3 km/h auf der Boxengassen-Geraden. Am wichtigsten war jedoch die Balance in langsamen Kurven. Verstappen bremste später in der Schikane (Kurve 6-7) und in Kurve 12. Er hielt die Geschwindigkeit in diesen Abschnitten besser.

Den McLarans fehlte diese Balance in langsamen Kurven. Sie hatten etwas mehr Untersteuern und verloren dadurch an Schwung. Der Sektor, in dem McLaren zuvor einen Vorteil hatte (Sektor 3 mit langsamen bis mittelschnellen Kurven), war plötzlich keine Stärke mehr.

Reaktionen und Stimmung

Oscar Piastri räumte ein, dass es kaum noch Zeit zu gewinnen gab. Lando Norris war enttäuscht. Er verpasste eine Startposition, mit der er möglicherweise die Meisterschaft hätte entscheiden können. McLaren nannte die kühlere Strecke und mehr Grip als Ursachen für das leichte Untersteuern, das sie erlebten.

Unsicherheiten vor dem Rennen

Ob sich das Qualifikationsbild im Rennen niederschlägt, ist unklar. Die strategische Entscheidung – ein oder zwei Boxenstopps – bleibt die große Frage. Beide Optionen liegen dicht beieinander.

Es gibt noch einen weiteren wichtigen Unterschied bei den Reifenvorräten. McLaren hat zwei neue Sätze harte Reifen. Verstappen hat zwei neue Sätze mittlere Reifen. Es gibt nicht genügend Vergleichsfahrten, um zu wissen, welche Wahl für einen längeren Stint besser ist. Das macht den Titelkampf besonders spannend, zumal die drei Titelanwärter auf den ersten drei Plätzen liegen.

Weitere Notizen zum Raster

George Russell fuhr eine starke Zeit und startet als Vierter. Er lag nur 0,1 Sekunden vor Charles Leclerc. Leclerc sagte, er hätte seine Q2-Runde fast fünf Mal abgebrochen, weil das Auto so schwierig zu fahren war. Lewis Hamilton kam zum vierten Mal in Folge nicht über Q1 hinaus und war sichtlich enttäuscht.

Fernando Alonso und Sauber-Talent Gabriel Bortoleto standen dicht beieinander auf der Startaufstellung: Sechster und Siebter, getrennt durch zwei Tausendstelsekunden. Lustigerweise ist Andrea Stella – der Alonso 2010 noch bei Ferrari assistierte – nun selbst in einer Position, in der er als Teamchef schwierige Entscheidungen treffen muss.

  • Die ersten drei auf der Startaufstellung: Verstappen, Norris, Piastri
  • Wichtige strategische Entscheidung: ein Halt oder zwei Haltestellen
  • Reifendifferenz: McLaren zwei neue harte Reifen, Verstappen zwei neue mittlere Reifen

Was bedeutet das für das Rennen?

Norris braucht nur einen dritten Platz, um sich den Titel zu sichern, zumindest auf dem Papier. In der Praxis bleibt es spannend. Strategie, Reifenwahl und Rad-an-Rad-Kämpfe können das Ergebnis auch anders ausfallen lassen. Und Fahrer wie Russell oder Leclerc können die Sache noch weiter verkomplizieren.

Kurz gesagt: Verstappen hat die Pole Position und eine gute Ausgangsposition. Aber das Rennen verspricht ein taktisches Schachspiel zu werden. Der Titel kann aufgrund der vielen unbekannten Faktoren näher rücken oder aber entgleisen.

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