Zustand und Realität
Auf dem Papier hat Oscar Piastri die beste Ausgangsposition. Er liegt 40 Punkte vor Max Verstappen. Lando Norris folgt mit 14 Punkten Abstand zu Piastri. Das gibt McLaren die Möglichkeit, den Titel selbst zu entscheiden.
Was McLaren kontrolliert
Laut Teamchef Andrea Stella liegt der Ausgang der Saison in McLarens Händen. Er verweist auf die Strecken und Trends seit Baku und betont, dass das Team weiterhin seine Chancen maximieren muss. Ihm zufolge sind die Dinge in Baku und in den Vereinigten Staaten unter anderem deshalb schief gelaufen, weil McLaren keine optimale Leistung gezeigt hat.
Diese Haltung ist gerechtfertigt. McLaren hat schon oft ein schnelles Auto durch Team- oder Fahrerfehler im Stich gelassen. Dennoch ist das Potenzial klar: Wenn McLaren an den Wochenenden besser fährt, ist es immer noch in einer guten Position.
Der Formfaktor
Aber die Form spricht eine andere Sprache als der Tabellenstand. Verstappen hat eine Menge Schwung aufgebaut. In den letzten vier Rennwochenenden hat er 64 Punkte auf Piastri aufgeholt. Das macht ihn in der Schlussphase der Meisterschaft gefährlich.
Verstappen sagt, die Chance sei jetzt definitiv da. Red Bull und er haben das Auto nach der Sommerpause verbessert. Seitdem haben sie fast fehlerfrei gearbeitet, was McLaren nicht immer gelungen ist.
Wovon Verstappen profitiert
Verstappen bekam bei McLaren Hilfe vom Pech. Beispiele dafür sind der Ausfall von Norris in Zandvoort wegen eines Motorproblems, der Sturz von Piastri in Baku und der Zwischenfall, bei dem beide McLarens in Austin im Sprint ausschieden. Infolgedessen hat Verstappen seit der Sommerpause so viele Punkte geholt wie Piastri und Norris zusammen.
Vor allem hat Verstappen Erfahrung mit Druck. Er und Red Bull wissen, wie man mit einem Titelkampf umgeht. Piastri und Norris erleben jetzt zum ersten Mal wirklich, was es mit einer Fahrermeisterschaft auf sich hat. Diese Erfahrung kommt Verstappen zugute.
Die Arithmetik
Es sind noch fünf Grands Prix und zwei Sprints zu fahren. Das bedeutet 141 zu verteilende Punkte. Wenn Verstappen jedes Rennen und jeden Sprint gewinnt, bekommt er maximal 141 Punkte. Wenn Piastri aber in allen Grands Prix Zweiter wird und auch in beiden Sprints Zweiter, beträgt die maximale Siegdifferenz für Verstappen nur 37 Punkte. Verstappen hat sein Schicksal also noch nicht ganz in der Hand.
- Wenn Norris Piastri konstant schlägt, erhöht dies Verstappens Chancen. Indem er Piastri jedes Mal auf Platz drei drängt, wächst Verstappens theoretischer Gewinn um 3 Punkte pro Grand Prix und 1 Punkt pro Sprint.
- Auf diese Weise könnte der zusätzliche Schwung 17 Punkte erreichen. Zusammen mit den bereits erwähnten 37 Punkten kann Verstappen somit 54 Punkte aufholen, genug um Champion zu werden.
McLarens schwere Entscheidung
McLaren will Norris nicht zwingen, Piastri zu helfen. Das Team möchte, dass beide Fahrer frei fahren können. Entscheidungen über Teamorder will McLaren nur auf der Basis harter Daten treffen. Stella sagt, das Team wolle die verbleibenden Rennen nutzen, um den Abstand zu Verstappen zu vergrößern.
Das ist verständlich. Aber solange McLaren Fehler macht und die beiden Fahrer sich gegenseitig Punkte kosten, bleibt Verstappen eine echte Gefahr.
Wer hat die Kontrolle?
Die Antwort hängt davon ab, was Sie für wichtiger halten: aktueller Punktestand, Form, psychologischer Druck oder Erfahrung. Piastri hat die meisten Punkte und ist daher technisch am nächsten am Titel dran. Verstappen hat das Momentum und die Erfahrung auf seiner Seite. Das macht ihn gefährlich.
Kurzum: McLaren hat die Kontrolle, solange es keine neuen Fehler macht. Aber Verstappen kann immer noch die Meisterschaft gewinnen, wenn sich die McLarens weiterhin gegenseitig behindern und Red Bull seine starke Form beibehält.